Das Jahr 2016 war ein trauriges Jahr. David Bowie, Umberto Eco, Prince, Muhammad Ali, Leonard Cohen und der weltweit berühmte Clown Dimitri, um nur einige zu nennen, sind dieses Jahr gestorben. Etwas lokaler, aber nicht weniger traurig ist das Ableben von Beat „Pädu“ Anliker. Der Tod einer Legende des Thuner, Berner und Schweizer Kulturbetriebs. Das Herz und die Seele des Mokka Thun.

Er hat mit seinem Kulturlokal in einer „Kleinstadt“ 30 Jahre lang gezeigt, dass junge Kultur auch an Orten wie Thun möglich ist. Er eckte an, empörte sich, lief auf, verweigerte sich – und doch haben sie ihn in Thun geliebt. Mit seiner eigenwilligen Art, sein Lokal zu führen, war und ist er ein Vorbild für viele. Anfang November hätte ihm als Anerkennung für seine Arbeit der Thunpreis verliehen werden sollen. Er erhielt ihn am 1. November 2016 posthum.

Mit Pädu Anliker geht eine wichtige Stimme verloren. Eine Stimme, die sich immer klar und unmissverständlich zu aktuellen gesellschaftlichen Themen geäussert hatte. Er legte sich mit Behörden an, um der Kultur Raum zu verschaffen. Er war ein Störenfried und ein Kämpfer für das grosse Ganze. Er kämpfte unbewusst auch für Olten. Mehr, als dies Olten im Moment für sich selber zu tun scheint.

Ende September hat der Verein Provisorium 8 kommuniziert, keine neue Leistungsvereinbarung mit der Stadt Olten für das Jahr 2017 anzustreben. Die Gründe sind verständlich. Immer weniger Geld, immer kürzere Leistungsverträge und, damit verbunden, immer grössere Unsicherheiten. Vorderhand wird die Jugendarbeit mit der Hälfte der bisherigen Betriebsbeiträge durch die Stadt Olten weitergeführt.

An Pädu Anliker wäre ein solcher Entscheid nicht spurlos vorbei gegangen. Das Provi 8 ist, wie das Mokka Thun, ein Kind der 80er-Jahre. Zuerst 30 Jahre als Färbi und dann 7 Jahre als Provi betrieben, ist es ein Statement aus einer fast vergessenen Zeit. Einer Zeit, in der die ersten Jugendhäuser erkämpft werden mussten. Einer Zeit, in der junge Kultur im Versteckten stattfinden musste. Wir haben der Generation von Pädu Anliker und Co vieles zu verdanken. In Olten wurde der Entscheid des Vereins Provi 8 jedoch einfach zur Kenntnis genommen. 37 Jahre Färbi und Provi wurden in einer sachlichen Medienmitteilung zusammengefasst. Provi hört auf, Stadt übernimmt, fertig.

Wenn uns das Jahr 2016 also etwas lernen sollte, dann, dass wir uns nicht auf den Lorbeeren der letzten Generation ausruhen können. Die Stimmen dieser Generation werden leiser und werden eine nach der andern in den nächsten Jahren verstummen. Wir können uns nicht mehr auf die Pädus’ verlassen, wenn es darum geht, Stellung zu beziehen. Wir müssen selber wieder kämpfen und müssen uns selber positionieren. Auch Olten braucht Menschen, die – wenn nötig lautstark – für ihre Stadt einstehen. Die kritisch-hinterfragend sind und das Beste für Olten wollen. Wir brauchen Haltungen, Diskussionen und die Räume dazu. Und zwar ab sofort.

Meinung im KOLT Dezember 2016.