Seit du weg bist übe ich mich im Leben. Ich trinke mich von Exzess zu Exzess, versuche zu verstehen. Dunkle Nächte, lange Nächte. Ich schwanke durch die Zeit, gefangen in Arbeit und Delirium. Du warst da, du bist da. Mit deiner Hilfe schlage ich mir die Nächte um die Ohren, kämpfe die Tage kaputt. Übe mich darin zu existieren. Ich liebe dich, du liebtest mich. Jetzt bist du weg, ich bin noch da. Ich will da sein, ich will leben. Nur etwas intensiver, nur etwas schneller. 22 Jahre hast du mich begleitet, die restlichen 40 muss ich selber gehen. Du fehlst mir. Der Abschied war kurz und voller Schmerzen, deine Art zu gehen würdevoll und unnachahmlich. Du hast meinen vollen Respekt, genau so wie du ihn immer hattest, vor dem Leben, vor deiner Familie. Meine Vergangenheit hinkt mir hinterher und die Zukunft übt sich im Rollstuhlfahren. Ich kann es nicht wahrhaben und mache es trotzdem. Nun bin ich weit weg vom Ort des Geschehens und lebe für einige Zeit am Puls der Welt. Zurückgelassen habe ich die besten Leute die man sich wünschen kann. Nur um Oberflächlichkeit und fehlende Intimität kennen zu lernen. Manchmal wäre ich gerne jemand anderes und trotzdem bin ich zufrieden was du aus mir gemacht hast. Yesterday was hard on all of us und das Morgen wird nicht besser. Wir leben in einer Zeit des Wandels und trotzdem sind wir eine Generation ohne Ziele und Ideen. Du hast immer gehadert mit unserem Unwillen etwas zu erkämpfen. Ich hadere auch damit. Wir stehen alle für nichts und doch für eine verlorene Generation. Es fehlt der Wille etwas zu verändern, es siegt die Bequemlichkeit des Seins. Wir leben von Wochenende zu Wochenende um vergessen zu können was uns unter der Woche zum Denken zwingt. Trotzdem bilden wir uns, trotzdem diskutieren wir über eine bessere Welt und trotzdem möchten wir unsere Utopien leben. Nur konnte uns bis jetzt niemand zeigen wie das geht. Ich werde den Weg gehen welchen du mir in jungen Jahren vorgezeichnet hast. Obwohl ich ihn mit fünfzehn unter keinen Umständen gehen wollte. Du wärst stolz auf mich, wärst du noch da. Ich weiss es. Wir konnten noch viel zusammen bereden. Viel konnte ich dir erzählen, viel hast du mir mitgegeben. Nun habe ich nicht mehr die Möglichkeit mich zu vergewissern es richtig verstanden zu haben. Ich muss versuchen, ich muss hinfallen und wieder aufstehen. Es war einfacher das Leben alleine zu leben als du noch da warst. Ich möchte dir erzählen was ich erlebe. Möchte dir zeigen welche Veränderungen mein Leben erfahren hat. Von Mittwoch Abenden und Donnerstag Nächten möchte ich dir erzählen. Von blauen Augen und blonden Haaren. Ich habe dir früher zu wenig erzählt und trotzdem genug. Du hast mich verstanden wenn es nichts zu verstehen gab. Ich lese Bücher welche ich dir empfehlen würde. Höre Musik die du mögen würdest. Und denke jeden Tag an dich. Mir geht es gut, nur anders als früher. Danke für alles.

Du fehlst mir.