Olten, Boston, Montreal, Ottawa, Toronto, Niagara Falls, Cleveland, Washington D.C, Philadelphia, New York, Olten. 117 Tage, knapp 17 Wochen, neue Freunde, neue Welten, neuer Horizont, hunderte Momente zum Erinnern. Ich hatte eine super Zeit, zuerst in Boston, drei Monate in einer wunderbaren Gastfamilie, in einer richtig angenehmen Schule mit richtig guten Leuten. Viel erlebt in Boston, die Stadt lieben gelernt und Tränen vergossen beim Abschied. Die Zeit war intensiv und ich habe viel gelernt, ich habe mich verändert, vielleicht geöffnet, vielleicht gut, vielleicht schlecht. Ich würde diese Erfahrungen gegen nichts tauschen, sie haben mir geholfen, mich an der Hand gepackt, mich auf die Beine gestellt und mir eine Welt eröffnet die ich nicht kannte. Ich war dort, habe gelebt, war zuhause. Als wäre ich nie woanders gewesen. Als ich am 24. März 2012 die Schweiz in Richtung Boston verliess war ich mir nicht sicher ob es richtig ist. Ich fühlte mich verloren, einsam und unsicher. Ich hatte Angst, Angst nicht in diese Welt zu passen, nicht meinen Platz zu finden. Ich hatte Angst vor einer schlechten Gastfamilie. Ich hatte Glück, wie so oft in meinem Leben. Die drei Monate in Boston vergingen wie im Flug, Woche für Woche, Tag für Tag. Nach kürzester Zeit waren wir eine richtig gute Gruppe, ob Ausgang, ob Schule, ob Ausflüge, alles wurde zusammen unternommen. New Hampshire/Maine, Newport/Providence, Lake Winnipesaukee, alles haben wir erkundet, Auto gemietet, Taschen gepackt und hinaus aus der Stadt in welche wir uns verliebt haben und welche trotzdem manchmal beengend wirkte. Wir wollten etwas sehen von der Umgebung. Es gab nur uns, Boston und Zeit zum vergeuden. Keine Verpflichtungen, alles aus freiem Antrieb, selber entschieden, selber so gewollt. Ich wollte nicht weg aus Boston, wollte bleiben, weiterleben in dieser Seifenblase, weiter träumen. Trotzdem freute ich mich auf das Reisen, freute mich auf Montreal, Ottawa, Toronto, auf die Niagara Wasserfälle, auf Cleveland, Washington D.C, auf Philadelphia und die Rocky Treppe und auf New York. Begleitet auf dieser Reise haben mich von Boston bis Washington Marj, ab Washington gesellte sich noch Julia zu uns.

Wir hatten eine super gute Zeit, es gab viel zu sehen, viele verschiedene Städte zu begutachten. Zuerst sind wir noch etwas in Boston geblieben, am 22. Juni ging’s dann ab nach Montreal. Eine Stadt welche sehr europäisch ist, in welcher ein französisch gesprochen wird welches ich beim besten Willen nicht verstehen konnte und in welcher ich mich vom ersten Moment an richtig wohl gefühlt habe. Die Stadt ist wunderschön, die Menschen sind gesellig und freundlich und das Wetter war traumhaft. In Montreal verweilten wir knapp 3 Tage und machten uns danach auf den Weg in Richtung Ottawa. Die Hauptstadt Kanadas hatten wir am Anfang nicht explizit auf unserem Reiseplan vermerkt, dachten uns jedoch unterwegs, dass es sich sicher lohnen würde und es lohnte sich. Die Stadt erinnerte mich etwas an Bern, nicht weil sie gleich aussehen würde (Es gibt kaum eine so schöne Stadt wie Bern zweimal ;)), jedoch von der Art und Weise wie sie sich gibt. Es ist eine „Regierungsstadt“ ohne Financial District, ohne pompöse Hochhäuser, ohne grossartig platzierten Banken. Dafür mit einem schönen Regierungsgebäude, mit viel „Altstadt“ mit einer Geschichte und mit einem Auftrag eine zweisprachige Stadt in einem zweisprachigen Land zu sein. In Ottawa verweilten wir knapp 1.5 Tage danach zog es uns weiter nach Toronto. Mit einer Übernachtung unterwegs kamen wir am  27. Juni in Toronto an. In unserer ersten richtigen Grossstadt. Laut einem „Einheimischen“ der am schnellsten wachsenden Stadt in Nordamerika. Die Stadt ist imposant, gross, mit Hochhäusern, mit dem CN Tower, mit allem was eine Grossstadt benötigt um eine zu sein. Jedoch ist es eine kanadische Grossstadt. Sehr ruhig, sehr freundlich, kaum Kriminalität, trotz (mit Metropolregion) knapp 5.5 Millionen Einwohnern. Die Stadt zu besuchen ist lohnenswert und einen längeren Aufenthalt könnte ich mir absolut vorstellen. Ein kleines New York für Leute welche vom grossen überfordert sind (wie Ich, dazu aber später mehr). Unter lustigen Umständen trafen wir in Toronto noch zwei Kollegen welche zuvor mit zwei anderen, welche ich aus Boston kannte, unterwegs waren. Ich lernte die beiden am letzten Wochenende in Boston kennen, sie reisten dann vor uns aus Boston ab und unabhängig von mir kannten sich der eine und die Marj schon von früher. So trafen wir uns auf ein Bier oder auch zwei und verbrachten den nächsten Tag zusammen in Toronto. Die Welt ist auch über dem grossen See relativ klein! In Toronto blieben wir bis zum 30. Juni. Von dort fuhren wir dann um den Lake Ontario zu den Niagara Wasserfällen. Ich wusste nicht was ich erwarten sollte, erwartete aber wohl etwas mehr. Die Wasserfälle sind imposant und wunderschön. Mit dem Boot – der Maid of the Mist – kann bis ganz nahe an die Wasserfälle gefahren werden und die Gewalt und die Macht der Fälle wird einem bewusst. Sonst ist es rund um die Wasserfälle extrem touristisch und ziemlich übel. Wir übernachteten im Örtchen Niagara Falls selber in einem kleinen Hostel. Von Aussen sah das Hostel nicht sehr einladend aus, im Innern war es jedoch das wohl beste der gesamten Reise. Alles renoviert, alles sehr sauber, extrem sympathische Mitarbeiter und einen sehr familiären Touch. Am Abend des 30. Juni gingen wir so auch mit drei Französinnen und einem Niederländer im Städtchen Essen, dies nur weil der Hostelbesitzer uns dazu verpflichtete. Es war jedoch ein sehr guter Abend! Am 1. Juli, dem Nationalfeiertag der Kanadier, machten wir dann noch eine Wanderung entlang des Niagara River, diese wurde uns vom Hostelbesitzer ans Herz gelegt und war eine wunderbare Erfahrung, Kanada wie man es sich vorstellt.

Am Abend des 1. Juli fuhren wir dann wieder zurück in die Vereinigten Staaten, genauer nach Cleveland. Auch Cleveland war nicht von Anfang an auf unserem Reiseplan, aber eine Lehrerin an der Sprachschule in Boston stammte aus Cleveland und sprach immer davon wie unterbewertet Cleveland sei und das sich ein Besuch allemal lohnen würde. Da ich als in Olten lebender genau weiss, als was sich unterbewertete Städte entpuppen können und es sowieso mehr oder weniger auf dem Weg lag, besuchten wir die kleine Arbeiterstadt am Lake Erie. Das die Rock’n’Roll Hall of Fame in Cleveland stationiert ist war das Zückerchen. Die Stadt ist klein, gemütlich und war ideal um sich etwas zu erholen. Die Rock’n’Roll Hall of Fame imponierte mir extrem und wir verbrachten knapp 4 Stunden im riesigen Gebäude. Cleveland lohnt sich auf alle Fälle (vorallem wegen der HoF) jedoch sicher nicht länger als einen Tag. So zog es uns dann auch am 3. Juli schon wieder weiter in Richtung Washington D.C. Wir wollten unbedingt am 4. Juli in Washington sein um den Unabhängigkeitstag der USA in der Hauptstadt mitzuerleben. Leider war es in Washington extrem heiss (immer zwischen 40 und 45 Grad) und somit war es extrem Anstrengend und ermüdend. Wir versuchten dennoch soviel wie möglich zu besichtigen (Lincoln Memorial, Luther King Monument, Washington Monument, Capitol, Arlington National Cemetery u.s.w). Ich fand die Stadt sehr schön und auch sehr gemütlich. Geschichtlich ist in Washington auch einiges zu erfahren was ich sehr spannend fand. Sehr cool ist, dass jedes Museum in Washington gratis ist, somit konnten wir erstens der extremen Hitze ab und an etwas ausweichen, weiter konnten wir sehr viele Infos sammeln. Wärmstens empfehlen würde ich das Holocaust Museum in Washington, sehr imposant. Der 4. Juli war etwas enttäuschend, eine grosse Parade bei welcher wir in der grossen Hitze beinahe kollabiert wären und ein Feuerwerk am Abend waren alle Festivitäten. Vielleicht waren wir aber auch nur zu müde von der Hitze um die richtigen Feste zu finden. Gegen Abend des 7. Julis verliessen wir Washington in Richtung Philadelphia. Dort übernachteten wir etwas ausserhalb der Stadt in einer richtig coolen Jugendherberge welche in einem alten Herrschaftshaus einquartiert ist. Der einzige Nachteil war, dass wir mit dem Auto in die Stadt fahren mussten, dies war jedoch auch weiter kein Problem weil wir das Auto ja sowieso hatten. Philadelphia hat als Stadt leider nicht allzu viel zu bieten. Geschichtlich wäre sie sehr interessant, war sie doch die erste Hauptstadt der USA, jedoch merkt man ihr die die tiefen sozialen Schichten an. Die Lebensqualität scheint nicht sehr gut zu sein und die Kriminalität ist ein stetes Thema in Philadelphia. Trotzdem gibt es einiges zu sehen, zum Beispiel die Rocky Treppe vor dem Museum of Art, die City Hall, die Independence Hall oder die Ausstellung der Liberty Bell. Nach zwei Tagen Philadelphia machten wir uns auf den Weg in Richtung New York, wir mussten am 10. Juli unser Auto am Newark International Airport abgeben und übernachteten, damit wir früh genug dort erscheinen konnten, vom 9. auf den 10. Juli in einem kleinen Städtchen mit dem Namen Linden in der Nähe des Flughafens. Ja wir wählten den Ort bewusst nach dem Namen aus ;). Nach der Abgabe des Autos, welcher eine Irrfahrt rund um den Newark Flughafen vorausging, machten wir uns auf den Weg nach Manhattan.

In New York angekommen bezogen wir unser Hotel und erkundeten gleich als Erstes den Times Square. Ich war sehr beeindruckt von der Lebendigkeit und der Grösse der Stadt. Doch irgendwie wurde ich während der sechs Tage in New York nie richtig warm mit ihr. Vielleicht war ich schlicht zu müde nach 19 Tagen unterwegs sein und vielleicht hatte ich alles in allem zu wenig Zeit um die Stadt richtig in mich aufzusaugen. Vielleicht waren meine Erwartungen auch zu hoch und vielleicht wollte ich auch einfach mal wieder nach Hause. Genau sagen kann ich es nicht. Den Central Park fand ich wunderschön und beeindruckend wie er sich mitten in Manhattan platziert hat. Die Gebäude, die Strassen, die Menschenmengen alles war imposant. Nur etwas zuviel für mich. Ich werde bestimmt wieder einmal nach New York reisen, werde mir vielleicht etwas mehr Zeit nehmen und vielleicht werde ich versuchen mit jemanden zu gehen der mir New York noch von einer anderen Seite als der rein touristischen zeigen kann.

Nach sechs Tagen New York und vielen Erlebnissen aus knapp 4 Monaten weit weg von zuhause hiess es am 16. Juli ab an den JFK Airport in New York und mit schwerem Herzen Abschied nehmen von den USA. Es war eine intensive, lehrreiche, spannende, meine Welt verändernde, den Horizont erweiternde und alles in allem grossartige Zeit. Die Menschen waren toll zu mir, das Land war gut zu mir, das Wetter hatte mich lieb und ich konnte mich gehen lassen und dazu lernen. Danke!